Mit Volldampf durchs Erzgebirge (DE/EN)

Dampf, Ruß und Kindheit

Während unseres Urlaubs im Erzgebirge gehörte die Fahrt mit der Fichtelbergbahn zu den Erlebnissen, auf die ich mich besonders gefreut hatte. Eine historische Dampflok, grüne Wagen und eine Strecke durch die Wälder und Orte rund um Oberwiesenthal – manchmal braucht es nicht viel, um mich wieder zum Kind werden zu lassen.

Schon am Bahnhof konnte ich den Blick kaum von der Lok abwenden. Überall zischte und dampfte es, die Mechanik arbeitete sichtbar und über dem Zug lag der typische Geruch aus Kohle, Rauch und heißem Metall. Eine moderne Bahn bringt einen sicherlich schneller ans Ziel, aber bei einer Dampflok ist schon die Fahrt selbst das eigentliche Erlebnis.

Wir suchten uns einen Platz in einem offenen Wagen. Dort saßen wir natürlich nicht so geschützt wie in den geschlossenen Abteilen, dafür bekamen wir alles unmittelbar mit: den Fahrtwind, das Pfeifen der Lok, das Stampfen der Maschine und die Rauchwolken, die immer wieder über den Zug hinwegzogen.

Die ungefähr zweistündige Fahrt führte uns durch die grüne Landschaft des Erzgebirges. Vorbei an kleinen Bahnhöfen, Häusern, Wiesen und dichten Wäldern arbeitete sich die Lok über die Strecke. Besonders in den Kurven konnten wir immer wieder nach vorne schauen und beobachten, wie sie die grünen Wagen hinter sich herzog.

Zwei Stunden können manchmal ziemlich lang sein. An diesem Tag waren sie jedoch viel zu schnell vorbei.

Zwei echte Schwesterlokomotiven

Auf unseren Fotos sind die beiden Lokomotiven 99 1785-7 und 99 1786-5 zu sehen. Sie gehören zur gleichen Baureihe und wurden direkt nacheinander gebaut. Es handelt sich also tatsächlich um Schwesterlokomotiven.

Die 99 1785-7 stand bei unserem Besuch unter Dampf und zog unseren Zug durch das Erzgebirge. Ihre Schwester, die 99 1786-5, konnten wir ebenfalls im Bahnhofsbereich fotografieren.

Beide Maschinen wurden in den 1950er-Jahren für die sächsischen Schmalspurbahnen gebaut. Die Fichtelbergbahn fährt auf einer Spurweite von nur 750 Millimetern. Trotzdem wirken diese Lokomotiven alles andere als klein, wenn sie Dampf ablassen und die Wagen über die bergige Strecke ziehen.

Die Verbindung nach Mecklenburg-Vorpommern

Besonders interessant war für uns, dass weitere Schwesterlokomotiven dieser Baureihe bei uns in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sind.

Beim Rasenden Roland auf Rügen fahren die Lokomotiven:

  • 99 1781-6
  • 99 1782-4
  • 99 1783-2
  • 99 1784-0

Damit sind auf Rügen die vier unmittelbar vorhergehenden Loknummern dieser Familie zu Hause.

Die 99 1781-6 war früher sogar selbst auf der Strecke zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal im Einsatz. Heute fährt sie auf Rügen und verbindet damit auf eine besondere Weise das Erzgebirge mit unserer Heimat.

Die volle Dampflok-Erfahrung

Unser Platz im offenen Wagen hatte allerdings auch eine kleine Nebenwirkung. Der Ruß der Dampflok zog nicht nur über uns hinweg, sondern landete natürlich auch auf unserer Haut und Kleidung.

Nach der Fahrt mussten wir deshalb erst einmal unter die Dusche, um den Ruß wieder abzuwaschen. Aber selbst das gehörte für uns dazu. Wer in einem offenen Wagen hinter einer Dampflok sitzt, bekommt eben nicht nur die schöne Aussicht, sondern die komplette Dampflok-Erfahrung.

Und ganz ehrlich: Wir würden uns wieder genau dort hinsetzen.

Man muss kein großer Eisenbahnexperte sein, um von einer Dampflok fasziniert zu sein. Man hört, sieht, riecht und spürt, wie sie arbeitet. Für mich waren diese zwei Stunden deshalb viel mehr als nur eine Zugfahrt.

Es war Dampf, Rauch, Ruß und für einen kurzen Moment wieder ein Stück Kindheit.

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English summary

During our holiday in the Ore Mountains, we spent around two hours travelling on the historic Fichtelbergbahn. We chose an open coach, where we could feel the wind, hear the steam locomotive working and watch the smoke drift across the train.

The locomotives 99 1785-7 and 99 1786-5 are sister engines. Other members of the same locomotive family are still operating on the island of Rügen in Mecklenburg-Western Pomerania.

After the journey, we had to wash the soot off in the shower, but that was simply part of the experience. For two hours, the steam train made me feel like a child again.

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