Der Tag, an dem meine VFR ihre Bremskraft zeigte

Basic bedeutet nicht einfach

Basic Does Not Mean Easy

IMG_20260523_155123.jpg

Manchmal denkt man, ein Basic Training wäre nur etwas für Anfänger. Ein bisschen langsam fahren, ein paar Bremsübungen, etwas Blickführung und fertig. Doch wer schon einmal ernsthaft an einem Motorradtraining teilgenommen hat, weiß genau, dass gerade die Grundlagen alles andere als einfach sind.

Wir waren wieder in Groß Dölln beim Motorrad Basic Training. Für uns ist das Gelände nicht neu, und auch Fahrsicherheitstrainings begleiten uns schon seit vielen Jahren. Trotzdem hat dieser Tag wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, die eigenen Grundlagen regelmäßig aufzufrischen. Denn Routine ist zwar gut, aber sie ersetzt kein bewusstes Training.

Dazu kam noch das Wetter. Bei etwa 27 °C, praller Sonne und ohne Schatten auf der großen Betonfläche wurde nicht nur das Motorradfahren zur Herausforderung, sondern auch die eigene Kondition. Motorradkleidung, Helm, Handschuhe und die Hitze von unten machten den Tag zusätzlich anstrengend. Umso besser war es, dass der Veranstalter an uns gedacht hat und kostenlos kühle Getränke bereitgestellt wurden. Bei diesen Temperaturen war das wirklich Gold wert.

IMG_20260523_144310_1.jpg

Sometimes you might think that basic training is only for beginners. A little slow riding, a few braking exercises, some vision training and that is it. But everyone who has ever taken part in a serious motorcycle safety training knows that the basics are anything but easy.

We were back in Groß Dölln for a motorcycle basic training. The area is not new to us, and we have been attending safety trainings for many years. Still, this day once again showed how important it is to refresh the fundamentals regularly. Routine is good, but it does not replace focused practice.

The weather added another challenge. With around 27 °C, bright sunshine and no shade on the large concrete area, not only the riding itself became demanding, but also our own endurance. Motorcycle gear, helmet, gloves and the heat rising from the ground made the day even more exhausting. That made it even better that the organizer had thought of us and provided cold drinks free of charge. On a day like this, that was worth a lot.

IMG_20260523_144310_1.jpg

Zurück zu den Grundlagen

Back to the Basics

Auch wenn wir schon viele Trainings gemacht haben, war diese Auffrischung genau richtig. Im normalen Straßenverkehr fährt man oft nach Gefühl. Viele Abläufe passieren automatisch. Man bremst, man schaut, man kuppelt, man lenkt. Doch bei einem Training merkt man schnell, ob diese Automatismen wirklich sauber funktionieren oder ob man an manchen Stellen wieder bewusster arbeiten muss.

Gerade beim Basic Training geht es nicht darum, besonders schnell zu sein oder etwas zu beweisen. Es geht darum, das Motorrad sicher zu beherrschen. Es geht um saubere Technik, Ruhe im Kopf und Vertrauen in die eigene Maschine. Das klingt einfach, aber sobald die Übungen beginnen, merkt man schnell, wie viel Konzentration dahintersteckt.

Bremsen, Blickführung, langsames Fahren, Balance und Körperhaltung gehören zu den Dingen, die man auf jeder Tour braucht. Trotzdem übt man sie im Alltag viel zu selten bewusst. Genau deshalb sind solche Trainings so wertvoll.

IMG_20260523_100700.jpg

Even though we have already done many trainings, this refresher was exactly right. In normal road traffic, you often ride by feeling. Many things happen automatically. You brake, you look, you use the clutch, you steer. But during a training session, you quickly notice whether these automatic reactions really work cleanly or whether some things need more conscious attention again.

Especially in a basic training, it is not about being fast or proving anything. It is about controlling the motorcycle safely. It is about clean technique, a calm mind and trust in your own machine. That sounds simple, but as soon as the exercises begin, you quickly realize how much concentration is required.

Braking, vision, slow riding, balance and body position are things you need on every ride. Still, in everyday traffic you rarely practice them consciously. That is exactly why such training days are so valuable.

IMG_20260523_115948.jpg

Vollbremsung bis 110 km/h

Full Braking up to 110 km/h

Eine der eindrucksvollsten Übungen war für mich ganz klar die Vollbremsung. Angefangen haben wir bei etwa 50 km/h. Das fühlt sich im ersten Moment noch recht entspannt an. Man beschleunigt, erreicht den Bremspunkt, schaut nach vorn und bringt das Motorrad kontrolliert zum Stehen.

Doch schon bei dieser Geschwindigkeit merkt man, wie wichtig saubere Technik ist. Nicht verkrampfen, nicht erschrecken, sauber in die Bremse greifen und trotzdem das Motorrad stabil halten. Danach wurde die Geschwindigkeit Schritt für Schritt erhöht. Irgendwann standen dann Bremsungen aus 90 km/h und schließlich bis etwa 110 km/h auf dem Plan.

Das war eine echte Herausforderung.

Bei 110 km/h wirkt plötzlich alles anders. Die Strecke erscheint kürzer, die Geschwindigkeit fühlt sich deutlich intensiver an, und sobald man richtig hart bremst, spürt man die Kräfte im ganzen Körper. Genau dafür ist so ein Training da. Man möchte so eine Situation auf der Straße möglichst nie erleben müssen, aber wenn es doch einmal passiert, muss der Ablauf sitzen.

Meine Honda VFR 1200 hat mir dabei sehr deutlich gezeigt, wie brachial Verzögerung sein kann. Bei einer starken Bremsung kam sogar kurz das Hinterrad hoch. Nicht extrem, vielleicht ungefähr 10 cm, aber es war oben. In diesem Moment merkt man sofort, was für Kräfte durch das Motorrad gehen. Gleichzeitig spürt man aber auch, wie stabil so eine Maschine bleiben kann, wenn man sauber arbeitet und ruhig bleibt.

Das war kein theoretisches Reden über Bremswege mehr. Das war echtes Erleben.

IMG-20260523-WA0018.jpg

One of the most impressive exercises for me was clearly the full braking exercise. We started at around 50 km/h. At first, that still feels quite manageable. You accelerate, reach the braking point, look ahead and bring the motorcycle to a controlled stop.

But even at this speed, you notice how important clean technique is. Do not tense up, do not panic, apply the brake properly and still keep the motorcycle stable. After that, the speed was increased step by step. At some point, we were braking from 90 km/h and finally up to around 110 km/h.

That was a real challenge.

At 110 km/h, everything suddenly feels different. The distance seems shorter, the speed feels much more intense, and as soon as you brake really hard, you feel the forces through your entire body. That is exactly what such training is for. You hope you will never need such a situation on the road, but if it happens, the reaction must be there.

My Honda VFR 1200 showed me very clearly how brutal deceleration can be. During one hard braking maneuver, the rear wheel even came up slightly. Not extremely high, maybe around 10 cm, but it was up. In that moment, you immediately realize what kind of forces are working through the motorcycle. At the same time, you also feel how stable such a machine can remain if you work cleanly and stay calm.

That was no longer theoretical talk about braking distances. That was real experience.

20260527_170122_0000.jpg

Wenn jedes Motorrad anders reagiert

When Every Motorcycle Reacts Differently

Besonders interessant war dabei der direkte Vergleich mit anderen Motorrädern. Während meine VFR 1200 beim Bremsen massiv verzögerte und richtig stabil wirkte, schoss die CBR 1000 beim Bremsen an mir vorbei.

Das war schon ein besonderer Moment, weil man sofort sieht, wie unterschiedlich Motorräder reagieren können. Gewicht, Fahrwerk, Reifen, Geometrie, Bremsanlage und natürlich der Fahrer selbst machen einen großen Unterschied. Eine schwere VFR 1200 verhält sich eben anders als eine sportlichere und leichtere Maschine.

Genau deshalb ist es so wichtig, nicht nur allgemein das Bremsen zu üben, sondern das Bremsen mit dem eigenen Motorrad. Man muss wissen, wie die eigene Maschine reagiert, wie stark die Front eintaucht, wie viel Bremsdruck möglich ist und wo die persönliche Wohlfühlgrenze endet.

Im normalen Straßenverkehr würde man solche Bremsungen kaum freiwillig ausprobieren. Auf einem abgesicherten Trainingsgelände kann man sich aber Schritt für Schritt herantasten. Genau das gibt Sicherheit.

20260527_165051_0000.jpg

The direct comparison with other motorcycles was especially interesting. While my VFR 1200 slowed down with massive force and felt very stable, the CBR 1000 shot past me during braking.

That was a special moment because you immediately see how differently motorcycles can react. Weight, suspension, tires, geometry, brake system and of course the rider make a big difference. A heavy VFR 1200 simply behaves differently than a sportier and lighter machine.

That is exactly why it is so important not only to practice braking in general, but to practice braking with your own motorcycle. You need to know how your own machine reacts, how much the front dives, how much brake pressure is possible and where your personal comfort zone ends.

In normal road traffic, you would hardly try such braking maneuvers voluntarily. On a secured training ground, however, you can approach the limit step by step. And that is exactly what creates safety.

IMG-20260523-WA0036.jpg

Langsam fahren ist nicht leicht

Slow Riding Is Not Easy

Ein weiterer wichtiger Teil des Trainings war das langsame Fahren. Viele unterschätzen diese Übung. Schnell geradeaus fahren kann fast jeder. Aber langsam, sauber und kontrolliert zu fahren, ist auf dem Motorrad eine ganz andere Sache.

Bei niedriger Geschwindigkeit wird alles sensibler. Kupplung, Gas, Hinterradbremse, Blickführung und Balance müssen zusammenpassen. Der Blick darf nicht direkt vor das Vorderrad fallen, sondern muss dorthin gehen, wo man hinfahren möchte. Der Körper muss locker bleiben, auch wenn sich das Motorrad plötzlich schwer anfühlt.

Gerade bei einer großen Maschine merkt man sofort, wenn man verkrampft oder nach unten schaut. Dann wird die Linie unsauber, das Motorrad kippt leichter zur Seite und man muss mehr korrigieren. Langsam fahren sieht von außen oft einfach aus, aber auf dem Motorrad merkt man schnell, wie viel Gefühl dahintersteckt.

Auch das muss immer wieder geübt werden. Denn gerade im Alltag braucht man diese Fähigkeit ständig. Beim Wenden, beim Rangieren, an engen Stellen, auf Parkplätzen oder im Stadtverkehr. Wer sein Motorrad langsam sicher beherrscht, fährt insgesamt entspannter.

Another important part of the training was slow riding. Many people underestimate this exercise. Riding fast in a straight line is something almost everyone can do. But riding slowly, cleanly and under control is a completely different matter on a motorcycle.

At low speed, everything becomes more sensitive. Clutch, throttle, rear brake, vision and balance all have to work together. Your eyes must not drop directly in front of the front wheel, but should look where you want to go. Your body has to stay relaxed, even when the motorcycle suddenly feels heavy.

Especially on a large machine, you immediately notice when you tense up or look down. The line becomes less clean, the motorcycle tips more easily to the side and you have to correct more. From the outside, slow riding often looks simple, but on the bike you quickly realize how much feeling it really needs.

This also has to be practiced again and again. Because in everyday riding, you need this skill constantly. When turning, maneuvering, riding through narrow places, on parking lots or in city traffic. If you can control your motorcycle safely at low speed, you ride more relaxed overall.

IMG-20260523-WA0031.jpg

Hitze, Konzentration und eine gute Gruppe

Heat, Focus and a Good Group

Natürlich hat die Hitze den Tag zusätzlich anstrengend gemacht. Auf dem Trainingsgelände gab es kaum Schatten, und die Sonne stand ordentlich über uns. Jede Pause war willkommen, jedes kühle Getränk tat gut, und trotzdem blieb die Stimmung richtig gut.

Zwischen den Übungen gab es immer wieder Gespräche, Blicke auf die verschiedenen Motorräder und natürlich den Austausch darüber, wie sich die einzelnen Übungen angefühlt haben. Genau das gehört für mich zu solchen Tagen dazu. Man fährt nicht nur, man lernt auch voneinander.

Die vielen unterschiedlichen Maschinen auf dem Platz zeigten wieder einmal, wie bunt die Motorradwelt ist. Vom sportlichen Motorrad bis zum schweren Tourer war einiges dabei. Und trotzdem hatten alle das gleiche Ziel. Sicherer fahren, besser reagieren und das eigene Motorrad noch besser kennenlernen.

IMG-20260523-WA0035.jpg

Of course, the heat made the day even more demanding. There was hardly any shade on the training area, and the sun was strong above us. Every break was welcome, every cold drink felt good, and still the atmosphere remained really positive.

Between the exercises, there were always conversations, looks at the different motorcycles and of course exchanges about how the individual exercises felt. For me, that is also part of such days. You do not just ride, you also learn from each other.

The many different machines on the training ground once again showed how colorful the motorcycle world is. From sporty bikes to heavy touring machines, there was quite a lot to see. And still, everyone had the same goal. Ride more safely, react better and get to know their own motorcycle even better.

1779873577843.png

Was bleibt

What Remains

Für uns war dieses Basic Training wieder ein richtig guter Tag. Anstrengend, heiß, fordernd, aber auch sehr wertvoll. Gerade weil wir schon viele Trainings besucht haben, merkt man, wie wichtig diese Auffrischung ist.

Die Vollbremsungen bis 110 km/h haben mir wieder gezeigt, wie enorm die Kräfte beim Bremsen sind. Meine VFR 1200 hat eindrucksvoll bewiesen, wie brachial sie verzögern kann. Gleichzeitig hat mich das langsame Fahren daran erinnert, dass Motorradbeherrschung nicht erst bei hoher Geschwindigkeit beginnt.

Basic bedeutet eben nicht einfach.

Basic bedeutet Grundlage. Und diese Grundlage entscheidet im Ernstfall darüber, ob man ruhig bleibt, richtig reagiert und sein Motorrad sicher beherrscht.

Ich bin am Ende müde, ordentlich aufgeheizt und mit vielen Eindrücken nach Hause gefahren. Aber genau so soll ein guter Trainingstag sein. Man nimmt etwas mit, man denkt darüber nach und man fährt danach mit einem besseren Gefühl weiter.

For us, this basic training was once again a really good day. Exhausting, hot, demanding, but also very valuable. Especially because we have already attended many trainings, you notice how important such a refresher is.

The full braking exercises up to 110 km/h once again showed me how enormous the forces are when braking. My VFR 1200 impressively proved how brutally it can decelerate. At the same time, slow riding reminded me that motorcycle control does not only begin at high speed.

Basic does not mean easy.

Basic means foundation. And this foundation can decide in a serious situation whether you stay calm, react correctly and control your motorcycle safely.

At the end of the day, I rode home tired, heated up by the sun and full of impressions. But that is exactly how a good training day should be. You take something with you, you think about it and you continue riding with a better feeling.

1779883346280.png

Wie sieht es bei euch aus?

What About You?

Habt ihr schon einmal an einem Motorrad Fahrsicherheitstraining teilgenommen?

Findet ihr auch, dass man gerade die Grundlagen regelmäßig auffrischen sollte?

Und hattet ihr schon einmal eine Situation, in der euch eine trainierte Bremsung oder eine gute Fahrzeugbeherrschung geholfen hat?

Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.

Vielen Dank fürs Lesen und fürs virtuelle Mitfahren.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag.

Hornet on Tour

Have you ever taken part in a motorcycle safety training?

Do you also think that the basics should be refreshed regularly?

And have you ever had a situation where trained braking or good motorcycle control helped you?

I am curious about your experiences.

Thank you for reading and riding along virtually.

See you in the next post.

Hornet on Tour

Hornet on Tour

📸 Instagram: hornet_on_tour
🖼 Photo: Hornet on Tour



0
0
0.000
6 comments
avatar

Leiden bei diesen vielen Vollbremsungen nicht die Reifen?

0
0
0.000
avatar

An Sicht nicht so sehr, durch das ABS blockiert das Rad nicht (Bremsplatten). Aber durch die mehr Vollbremsung verschleißt die Bremsanlage mehr. Aber lieber so, als nicht zu wissen was bei der Vollbremsung alles passiert und wie weit dein Bremsweg wirklich ist.

0
0
0.000
avatar

Super das du das jedes jahr machst!
Schade das kein Video von deiner Bremsung online ist ...
Aber dank YT sind ja einige online:

Hier eines schon etwas älter, aber unterschied mit ABS und ohne ABS:

Also linke Hand zum Gruß und allzeit gute Fahrt!!
lg 🤠

0
0
0.000