Ein Treffen mit den sieben Glücksgöttern in Nikko 👹🍣🎎 Mein Japan
Eine meiner Reisen hier im Land der aufgehenden Sonne hat mich vor ein paar Jahren nach Nikko geführt. Dies war mein zweiter Besuch in dieser Region, welche zu den bedeutendsten historischen und religiösen Landschaften Japans gehört und rund zwei Stunden nördlich von Tokio in den Bergen der Präfektur Tochigi liegt.
Nikko ist vor allem für ihren UNESCO‑Weltkulturerbe‑Komplex bekannt, der aus dem Tōshōgū‑Schrein, dem Rinnō‑ji‑Tempel und dem Futarasan‑Schrein besteht. Seit der Nara‑Zeit gilt Nikkō als heiliger Ort, an dem sich Shintō‑Glauben und buddhistische Traditionen über Jahrhunderte miteinander verflochten haben. Die Umgebung ist geprägt von alten Zedernalleen, klaren Bergflüssen und einer Landschaft, die schon früh als spirituell bedeutsam wahrgenommen wurde. Besucher erleben hier eine Mischung aus kunstvoller Architektur, religiöser Symbolik und unberührter Natur, die Nikko zu einem der meistbesuchten Pilger‑ und Ausflugsziele Japans macht.
Und auch wir sind auf diesem bekannten Pfaden gewandelt und hatten uns dem Weltkulturerbe‑Komplex zugewandt. Dort führt uns die Reiselust unter anderem zum bereits erwähnten Futarasan-Schrein (二荒山神社), der im Jahr 782 vom Mönch Shōdō Shōnin gegründet wurde.
Der Futarasan ist einer der ältesten Schreine der Region und dem Kult der drei heiligen Berge Nantai, Nyoho und Tarō gewidmet, die als Schutzgötter des gesamten Nikkō‑Gebiets verehrt werden. Der Hauptschrein liegt im Zentrum des UNESCO‑Areals, doch das Heiligtum umfasst ein weit verzweigtes Netzwerk aus Nebenschreinen, Waldpfaden und heiligen Quellen, das sich über große Teile der Umgebung erstreckt.
Anders als der prunkvolle Tōshōgū-Schrein ist der Futarasan eher schlicht. Hier prägen rote Torii, kleine Altäre und moosbedeckte Steine hier das Bild; der Schrein ist ein Beispiel für die enge Verbindung von Naturverehrung und Shintō‑Glauben und man bekommt einen Eindruck davon, wie tief die Berge in der religiösen Identität Nikkōs verankert sind.
Und genau dort im Futarasan wollten wir uns ein wenig umsehen. Wie üblich liefen wir eine Runde durch die Anlage und stießen dabei auf dieses rote Toori, welches den Zugang zu einem kleinen Nebenschrein markierte. Direkt dahinter begannen bereits der Wald und auch die Berge, die sich von hier bis auf fast 2.500 Meter Höhe erheben.
Man bekommt schnell ein Gefühl für diesen faszinierenden Ort und spürt diese so besondere Atmosphäre, die von dieser so ungezwungen wirkenden Verbindung von Natur und religiösen Heiligtum ausgeht. Es machte einfach Spaß, sich hier ein wenig umzusehen und diese so wundervolle Stimmung auf einen wirken zu lassen.
Und diese Stimmung wurde noch gesteigert, als wir gleich darauf auf ein paar alte Bekannte trafen, die es sich hier auf diesem Gelände gemütlich gemacht haben. Ich spreche von den sieben Glücksgöttern, den Shichifukujin, welche ich bei unseren Reisen und Ausflügen bereits einige Mal getroffen hatte.
Den Anfang macht Hotei-san. Er wird fast immer als fröhlicher, dicker Mönch mit großem Bauch dargestellt, der entspannt lächelt oder sogar lacht. Typisch sind seine lockere Kleidung, der oft freigelegte Bauch und die Gebetskette (Juzu) um den Hals. In der Hand oder über der Schulter trägt er meist einen großen Sack, in dem sich symbolisch Glück, Wünsche oder sogar Gaben für die Menschen befinden.
Hotei steht für Zufriedenheit, Gelassenheit und inneres Glück – also weniger für materiellen Reichtum, sondern eher für ein glückliches Leben und ein gutes Herz. Deshalb gilt er auch als eine Art Symbol dafür, dass man mit wenig zufrieden sein kann und Freude im Alltag findet.
Nummer zwei ist Daikokuten. Er steht symbolisch für Reichtum, Wohlstand und geschäftlichen Erfolg und wird oft mit einem freundlichen, runden Gesicht und einem leicht korpulenten Körper dargestellt, was Glück und Fülle ausdrücken soll.
In der Regel trägt er einen Sack mit Schätzen und manchmal auch einen kleinen magischen Hammer, mit dem Wünsche erfüllt werden können, wobei seine offene Hand hier eher darauf hindeutet, dass er Segen spendet. Daikokuten ist eine freundliche und positive Gottheit, die man häufig in Tempeln oder auf Pilgerwegen in Japan findet.
Außerdem ist Daikokuten traditionell ein Gott des Reises und der Ernte, weshalb er häufig auch mit Reissäcken gezeigt wird. Daraus entwickelte sich seine Rolle als Gott des materiellen Wohlstands.
Hier sehen wir eine Statue von Bishamonten, der oft als Beschützer und Krieger dargestellt wird. Typisch sind seine Rüstung, der ernste Gesichtsausdruck und vor allem die Waffe, wie hier mit einem Speer. In der anderen Hand hält er oft eine kleine Pagode oder einen Schatz, was seinen Bezug zu Schutz und Wohlstand zeigt.
Bishamonten steht für Stärke, Schutz vor Unglück und Sieg, und wirkt deshalb viel strenger und kraftvoller als die anderen Glücksgötter, obwohl auch er eine positive, schützende Funktion hat.
Nun kommen wir zu Ebisu, der vielleicht beliebtesten der sieben Glücksgötter. Er ist ein fröhlicher, rundlicher Mann mit Bart, und hält oft einen großen Fisch (meist eine Dorade) in den Armen. Genau dieser Fisch ist sein wichtigste Erkennungszeichen, wobei er manchmal zusätzlich auch noch eine Angel trägt.
Ebisu steht vor allem für Glück im Geschäft, Erfolg bei der Arbeit und Wohlstand, besonders für Fischer und Händler. Und gerade deshalb ist er in Japan wohl so beliebt, und auch ich freue mich insbesondere, wenn ich ihm mal wieder über den Weg laufe.
Nun kommt Fukurokuju, der in der japanischen Tradition als Gott des Glücks, der Weisheit und der Langlebigkeit gilt. Er wird meist als älterer Mann mit langem Bart und auffallend hoher Stirn dargestellt, die seine besondere Klugheit symbolisiert.
Er trägt häufig einen Stab bei sich und steht für ein langes, erfülltes Leben, wobei er oft mit Gelassenheit, Wissen und innerem Gleichgewicht in Verbindung gebracht wird.
Als nächstes haben wir Jurōjin, der als Gott der Langlebigkeit gilt und für weises, erfülltes Lebens steht. Er wird als freundlicher alter Mann mit langem Bart dargestellt, der oft eine Schriftrolle bei sich trägt, auf der die Lebensspanne der Menschen verzeichnet sein soll.
Häufig erscheint er in Begleitung eines Hirsches, der ebenfalls ein Symbol für ein langes Leben ist, und verkörpert Ruhe, Gelassenheit und tiefe Lebenserfahrung. Leider hat er seinen Hirsch diesmal nicht mitgebracht.
Und am Ende sehen wir Benzaiten, die einzige weibliche Gottheit der Shichifukujin. Sie steht für Beredsamkeit, Kreativität und geistige Eleganz, und soll ihren Ursprung in der indischen Göttin haben.
Benzaiten wird als Göttin der Musik, der Kunst, der Schönheit und des Glücks verehrt, und meist mit einer Biwa (japanische Laute) dargestellt, die ihre Verbindung zur Musik symbolisiert. Man findet sie besonders an Orten mit Wasser wie Inseln, Seen oder Quellen.
Das waren alle sieben unserer Shichifukujin, deren Namen ich zum Schluss noch einmal erläutern will.
Der Name Shichifukijin besteht im Japanischen aus folgenden drei Schriftzeichen:
七 = sieben
福 = Glück / Segen
神 = Gott / Gottheit
was zusammen dann ganz einfach „die sieben Glücksgötter" bedeutet.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihnen irgendwo begegne, wobei sie je nach Lust und Laune alle zusammen und eben einzeln ein wenig verteilt zu finden sind. Es macht Spaß, sie ein wenig zu suchen und ihnen nacheinander "hallo" zu sagen. Ein wenig ist es wie ein kleines Ritual, und ich freue mich daher schon auf das nächste Mal, wenn ich ihnen irgendwo hier in Japan begegnen werde. Mal schauen, wo wir dann sein werden....
